Maßnahmen zur Verbesserung der Therapietreue

|Erklärungsbedarf|
Tests haben gezeigt, dass rund 50 % der Patienten nicht verstehen, was ihnen der Arzt erklärt.

Die derzeitige Situation ist für alle Beteiligten unbefriedigend: für den Patienten, der die Folgen seiner mangelhaften Therapietreue nicht in vollem Ausmaß abschätzen kann und an Lebensqualität einbüßt; für den Therapeuten, der keinen Fortschritt bei der Behandlung erzielt und die Ursache hierfür oftmals nicht kennt; für die Volkswirtschaft und damit die gesamte Gesellschaft, die die Mehrbelastungen und zusätzlichen Kosten tragen muss. Es ist also dringend notwendig, dass Maßnahmen entwickelt und umgesetzt werden, mit deren Hilfe die Therapietreue der Patienten verbessert werden kann.

Stärkung der Eigenverantwortung des Patienten

Als Erstes wird es darum gehen, das Problembewusstsein zu schärfen. Patienten und betroffene Angehörige sollten durch zielgerichtete Informationen darüber aufgeklärt werden, welche negativen Auswirkungen nachlässiges Verhalten bei der Einnahme von Medikamenten oder beim Einhalten von Therapieplänen haben kann. Mit diesem Hintergrundwissen und der Erkenntnis, dass jeder für seine Gesundung und Gesunderhaltung einen großen Teil an Eigenverantwortung trägt, ist sicherlich für viele Patienten bereits ein ganz wesentlicher Schritt hin zu mehr Therapietreue getan.

Verbesserung der Arzt-Patient-Kommunikation

|Betreuer einbeziehen|
Bei bestimmten Krankheitsbildern, z. B. Demenzerkrankungen und Depressionen, oder auch bei alten und pflegebedürftigen Patienten ist es sinnvoll, dass der Arzt – mit Einverständnis des Patienten – Rücksprache mit Angehörigen und Pflegekräften hält, die den Patienten regelmäßig betreuen.

Die aufgeführten möglichen Ursachen mangelnder Therapietreue zeigen deutlich, dass eine ganz wichtige Schlüsselstelle die Kommunikation und das vertrauensvolle Miteinander von Arzt und Patient ist. Hier können beide Seiten dazu beitragen, eine gemeinsame Grundlage für eine gute Zusammenarbeit und damit für mehr Therapietreue zu schaffen.

   Der verständnisvolle, aufmerksame Arzt

Ihr Arzt sollte sich Zeit für Sie nehmen und Sie umfassend über Ihre Erkrankung, die Heilungschancen und -voraussetzungen aufklären. Dabei sollte er Ihnen auch die verschiedenen Therapiemöglichkeiten mit allen Vor- und Nachteilen darlegen. Da viele Patienten Angst vor den möglichen Nebenwirkungen von Medikamenten haben, ist es die Aufgabe des Arztes, bei einer medikamentösen Therapie den Nutzen und die Risiken des einzelnen Medikaments zu erklären und auf die im Beipackzettel aufgeführten möglichen Nebenwirkungen und Gegenanzeigen einzugehen.

Wenn es darum geht, einen konkreten Therapieplan zu erstellen, sollte Ihr Arzt Sie mit einbeziehen und Ihre individuelle Situation unbedingt berücksichtigen. Andernfalls weisen Sie ihn sofort darauf hin, dass es Ihnen kaum möglich sein wird, die Therapie wie vorgeschlagen einzuhalten. Scheuen Sie nicht davor zurück, Fragen zu stellen oder Unklarheiten anzusprechen. Der Therapieplan und insbesondere die Anweisungen zur Medikamenteneinnahme müssen für Sie ganz klar verständlich sein. Hilfreich ist es, wenn Ihr Arzt Ihnen die genauen Dosierungen und Einnahmezeitpunkte der einzelnen Medikamente aufschreibt.

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   Der eigenverantwortliche, interessierte Patient

|Arzneimittelwechselwirkungen|
Teilen Sie Ihrem Arzt unbedingt mit, welche Medikamente Sie ansonsten noch regelmäßig einnehmen müssen, damit er dies bei der Medikamentenverordnung berücksichtigen kann. Denn einige Arzneimittel beeinträchtigen sich in ihrer Wirkung. Mitunter können Arzneimittelwechselwirkungen sogar starke Beschwerden verursachen.

Sie sollten sich immer bewusst machen, dass es nicht allein in der Verantwortung des Arztes liegt, Sie gesund zu machen. Jeder Patient trägt ein großes Stück an Eigenverantwortung für den erfolgreichen Verlauf seiner Behandlung.

Auch in der Gesundheitsversorgung gilt das Recht der Selbstbestimmung. Das heißt, Sie haben immer das Recht, eine medizinische Maßnahme und Behandlung abzulehnen. Dies sollten Sie jedoch mit Ihrem Arzt ehrlich besprechen. Genauso, wie Sie sich darauf verlassen wollen, dass Ihr Arzt das Bestmögliche für Ihre Gesundheit tut, muss er darauf vertrauen können, dass Sie mit offenen Karten spielen. Hat man einer Therapie zugestimmt, so ist es nur folgerichtig, dass man sich an die ärztlichen Empfehlungen und die Verordnung hält. Ansonsten gefährdet man den Therapieerfolg und verhindert zudem, dass der Arzt erkennt, warum eine Behandlung keinen Erfolg hat.

Dies gilt auch hinsichtlich der Einnahme der verordneten Medikamente. Wenn Sie zum Beispiel aus Furcht vor eventuellen Nebenwirkungen bestimmte Tabletten nicht einnehmen möchten, so sollten Sie Ihre Bedenken gegenüber dem Arzt klar äußern. Möglicherweise lassen sich die Ängste aus dem Weg räumen oder der Arzt kann auf ein anderes Medikament ausweichen.

Außerdem sollten Sie sich an die Dosierungsempfehlungen halten. Selbst wenn Sie das Gefühl haben, dass die Beschwerden deutlich nachlassen, ist es falsch, die Medikamente eigenmächtig abzusetzen. Treten unerwünschte Nebenwirkungen nach Einnahme eines Medikaments auf, müssen Sie auf jeden Fall Ihren Arzt darüber informieren. Nur er kann die Schwere der Nebenwirkungen abschätzen und wird dann gegebenenfalls die Arzneimitteltherapie umstellen.

Wer die Einnahme der Medikamente hin und wieder vergisst oder Probleme mit der Dosierung hat, sollte auch diese Probleme offen ansprechen. Es gibt verschiedene Möglichkeiten und Hilfsmittel, z. B. Erinnerungsalarme und Dosierungshilfen, die die regelmäßige Medikamenteneinnahme erleichtern.

   Unterstützung durch den Apotheker

Der Apotheker kann ebenfalls dazu beitragen, dass sich die Therapietreue bei der Einnahme von Medikamenten verbessert. Er ist nicht nur der Verkäufer, der Ihnen Ihre Medikamente aushändigt, sondern zugleich Berater, der Ihnen genaue Auskunft zu Ihren Arzneimitteln geben kann.

Um Sie zu unterstützen, sollte er gezielt nachfragen, ob Ihnen das Dosierungsschema bekannt ist, und Sie andernfalls zu einem erneuten Gespräch mit dem Arzt motivieren. In manchen Fällen ist es sicherlich hilfreich, wenn der Apotheker bei Unklarheiten mit der Medikamentenverordnung noch einmal direkt mit dem Arzt Rücksprache hält.

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Risiken für schlechte Therapietreue und Gegenmaßnahmen

Risikofaktoren

Strategien zur Verbesserung
der Therapietreue

Mangelnde Arzt-Patient-Kommunikation

  • Der Patient hat zu wenig Vertrauen zum Arzt
  • Der Patient wurde nicht ausreichend über seine Erkrankung aufgeklärt
  • Der Patient unterschätzt die Erkrankung und die gesundheitlichen Risiken
  • Der Arzt gibt unverständliche oder unpräzise Instruktionen zur Medikamenteneinnahme
  • Verbesserung der Arzt-Patient- Kommunikation
  • Der Arzt erklärt das Krankheitsbild in einer patientenverständlichen Sprache
  • Der Arzt weist auf die Problematik und die Folgen mangelnder Therapietreue hin
  • Der Arzt gibt präzise und patientengerechte Anweisungen zur Medikation, ggf. schriftlich
  • Der Arzt bezieht Angehörige mit ein
  • Der Arzt händigt Informationsbroschüren aus

Überforderung des Patienten

  • Der Patient muss viele verschiedene Medikamente zu unterschiedlichen Zeiten
  • einnehmen (Polymedikation)
  • Komplizierte Darreichungsformen und Dosierungen erschweren die korrekte Einnahme
  • Der Patient nutzt Erinnerungshilfen (Kalender, Alarme etc.)
  • Der Arzt passt das Therapieschema individuell der Situation des Patienten an
  • Arzt und Apotheker wählen geeignetere Darreichungsformen und Verpackungen
  • Dosierungshilfen
  • Wochenblister
  • Arzt und Apotheker fragen regelmäßig nach, ob es Probleme beim Einhalten der Therapie gibt
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